Jesus Christus ist der Herr! Phil 2, 11

Nabot

Ein verlockendes Angebot

Zur Zeit, als Ahab König über Israel (bzw. über die zehn nördlichen Stämme) war, lebte auch ein Mann namens Nabot in diesem Königreich. Er war ein Jisreeliter und besass einen Weinberg in Jisreel, ein Erbe seiner Väter. Dieser Weinberg befand sich in der Nähe des Palastes Ahabs, weshalb Ahab Nabot eines Tages folgendes Angebot machte: Gib mir deinen Weinberg, dass er mein Gemüsegarten werde, denn er ist nahe bei meinem Haus; und ich will dir stattdessen einen besseren Weinberg geben; oder wenn es gut ist in deinen Augen, will ich dir Geld geben, nach seinem Wert 1. Kön 21, 2.

Nabot hatte sich sein Erbe nicht frei gewählt. Er hatte einfach den Weinberg bekommen, der sich im Eigentum seiner Väter befunden hatte. Es kann zwar angenommen werden, dass dieses Teil Nabots kein allzu schlechtes war, denn immerhin wollte der König Israels das Land nutzen, um sich einen Gemüsegarten anzulegen. Doch nun bot sich Nabot die Gelegenheit, sich selbst einen Weinberg zu wählen – und dann erst noch einen besseren! Hätte Nabot nach menschlichen Massstäben geurteilt, hätte er das Angebot unbedingt annehmen müssen. Ein besserer Weinberg, den man sich zudem noch frei wählen kann, ist doch gewiss in jeglicher Hinsicht zu bevorzugen. Nabot hätte das Teil seiner Familie vergrössert und er hätte mehr Frucht hervorbringen können.

Wie viele Geschwister urteilen nach menschlichen Massstäben! Das Teil, das sie vom Herrn erhalten haben, tauschen sie nur zu gerne gegen ein anderes Teil ein, das ihnen in letzter Konsequenz vom bösen Herrscher dieser Welt angeboten wird. Sie begründen ihre Wahl nicht selten mit besserer Effizienz. Es gibt beispielsweise Christen, die mit der Welt zusammenspannen, um ein Werk zu begründen, von dem sie sich selbst viel erhoffen. Doch der Herr hat geboten, dass Christen nicht mit der Welt zusammenspannen sollen (2. Kor 6), und ich bin gewiss, dass der Ruf für ein solches Werk nie vom Herrn kommen kann, sondern einer menschlichen Überlegung entspringt. Diese Christen meinen, sie würden das Werk des Herrn auf ihre Weise besser voranbringen als nach der vom Herrn gebotenen Weise, sie meinen, ein besserer Weinberg bringe mehr Frucht und sei daher stets zu bevorzugen. Doch wie töricht ist es zu denken, man wisse besser als der Allmächtige und Allwissende, was in Seinen Augen gut ist und was nicht!

Nabot konnte im Grunde nicht frei entscheiden, ob er das Angebot annehmen wollte: 23 Und das Land soll nicht für immer verkauft werden, denn mein ist das Land; denn Fremde und Beisassen seid ihr bei mir 3. Mose 25, 23. Bei der Einnahme des Landes war dieses nach dem Los unter den Stämmen und Familien verteilt worden, und die einzelnen Teile mussten nach dem Willen des Herrn in den Familien verbleiben. Ohne Not durfte ein Israelit sein Land nicht verkaufen, denn es war sein Erbteil vom Herrn. Nabot kannte natürlich dieses Wort, und er beherzigte es: 3 Aber Nabot sprach zu Ahab: Das lasse der Herr fern von mir sein, dass ich dir das Erbe meiner Väter geben sollte! 1. Kön 21, 3. Obwohl Nabot ein besserer Weinberg angeboten wurde, überlegte er nicht einen Augenblick. Mit Entschiedenheit wies Nabot Ahab zurecht. Ein Verkauf des Erbes kam für ihn absolut nicht in Frage. Lieber wollte er sich mit dem «schlechteren» Erbteil zufrieden geben, denn dieses hatte er vom Herrn erhalten – und kann ein Erbteil, das wir vom Herrn erhalten, wirklich schlechter sein als ein anderes? Wie sehr unterscheidet sich Nabot darin beispielsweise von Esau, der sein Erstgeburtsrecht – nicht für etwas besseres, sondern – für ein Linsengericht verkaufte!

Auch wir sind nicht völlig frei, wie wir in einzelnen Situationen entscheiden. Wie bereits erwähnt, ist uns vom Herrn her ein (Erb-)Teil gegeben, mit dem wir nach Seinem Willen handeln sollen. Wenn uns etwas (angeblich) besseres angeboten wird, dann dürfen wir die Grundsätze Gottes dafür nicht in die Waagschale werfen. Beim Herrn heiligt der Zweck niemals die Mittel! Wir sind nicht aufgefordert, Frucht um jeden Preis zu bringen, sondern mit dem, was wir erhalten haben, treu zu handeln. Frucht bringen nicht wir hervor, sondern der Herr – und Er weiss wohl, wie Er das am besten tut! O, möchten wir diese Grundsätze mehr beherzigen!

Die Reaktion des Gottlosen

Ahab, dem jegliche geistliche Einsicht fehlte und der sich nicht um das Gesetz Gottes kümmerte (darin entsprechen ihm alle Menschen von Natur aus, vgl. Röm 3, 11), reagierte auf die Antwort Nabots wie ein kleines Kind: Und er legte sich auf sein Bett und wandte sein Angesicht ab und ass nichts 1. Kön 21, 4. Menschen, die von ihren Wünschen und Begierden getrieben sind, sind nicht in der Lage, auf ihre Wünsche zu verzichten oder sie zurückzustellen. Wenn sie etwas wollen, dann muss es her, und zwar sofort. Sobald sie das, was sie wollen, haben, wollen sie aber wieder etwas anderes, und auch das muss sofort her. Wer dagegen im Herrn verankert ist und in Ihm ruht, der ist in der Lage zu akzeptieren, wenn er auf die Erfüllung eines Wunsches warten muss oder wenn der Herr ihm zu verstehen gibt, dass dieser Wunsch nicht erfüllt werden wird – die Geduld ist eine Frucht des Geistes (Gal 5, 22). Nur wer geistliche Einsicht hat, versteht, dass die Verfolgung irdischer Wünsche Eitelkeit und ein Haschen nach dem Wind Pred 2, 11 ist. Das heisst nicht, dass wir keine irdischen Wünsche haben dürfen, und dass wir ihnen nicht nachgeben dürften. Nein, alle guten Dinge, die der Herr geschaffen hat, dürfen wir nutzen (vgl. 1. Tim 4 3). Aber wir sollen nicht unser Herz an diese Dinge hängen.

Wie Ahab so auf seinem Bett lag, mit dem Gesicht zur Wand, kam seine Frau, Isebel, und fragte ihn, weshalb er so missmutig sei und nichts esse. Nachdem Ahab ihr den Grund genannt hatte, antwortete sie: Übst du jetzt Königsmacht über Israel aus? Steh auf, iss und lass dein Herz fröhlich sein. Ich werde dir den Weinberg Nabots, des Jisreeliters, geben 1. Kön 21, 7. Hier wird ein weiterer Zug deutlich, den gottlose Menschen an den Tag legen können: Sie verkennen ihre Situation. Ahab war vom Herrn als König über Israel eingesetzt worden. Er besass Vollmacht, die ihm vom Herrn verliehen worden war, keine eigene Macht. Diese Vollmacht hätte er nutzen müssen, um den Willen des Herrn zu tun und seiner Verantwortung als König für das Volk nachzukommen. Der Herr hatte ihn nicht als König über Israel eingesetzt, damit er einen Freibrief hätte zu tun, was er wollte. Doch Ahab und Isebel, die nichts vom Herrn wissen wollten, verstanden all das natürlich nicht.

Wenn heute jemand erfolgreich im Beruf ist, Karriere macht, viel Geld verdient und einen eigenen Machtbereich zugewiesen bekommt, dann verhält er sich in der Regel wie Ahab und Isebel: Er meint, er hätte all das kraft seiner Hände erlangt, es sei allein sein Erfolg, der Lohn für seine Arbeit. Wie töricht! Der Herr kann jemanden zu Ruhm kommen und im nächsten Moment in das tiefste Loch fallen lassen. Wenn es der Herr nicht fügt, dass alle Rahmenbedingungen stimmen, kommt niemand zu Macht und Reichtum, und sei er noch so fleissig. Und lässt uns der Herr zu Einfluss gelangen, dann nicht einfach deshalb, dass wir diesen in egoistischer Weise nutzen können. Vielmehr soll der Mensch mit dem, was der Herr ihm gegeben hat, dem Herrn dienen. Denn beim Herrn gelten andere Massstäbe als in der Welt: 11 Der Grösste aber unter euch soll euer Diener sein. 12 Wer aber sich selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden Mt 23 11. 12. Wie traurig, wenn sogar die Führer des Volkes Gottes diese Grundsätze vergessen!

Dass Ahab und Isebel ihren eigenen Wünschen den Vorrang vor allem anderen gaben und vergassen, dass Ahab Vollmacht gegeben worden war, um dem Volk zu dienen, ist eine Sache. Was Isebel aber danach einfädelte, stellt diese Dinge völlig in den Schatten:

8 Und sie schrieb Briefe im Namen Ahabs und versiegelte sie mit seinem Siegel und sandte die Briefe an die Ältesten und an die Edlen, die in seiner Stadt waren, die mit Nabot zusammen wohnten. 9 Und sie schrieb in den Briefen Folgendes: Ruft ein Fasten aus, und setzt Nabot obenan unter dem Volk; 10 und setzt zwei Männer, Söhne Belials, ihm gegenüber, dass sie gegen ihn zeugen und sprechen: Du hast Gott und den König gelästert! Und führt ihn hinaus und steinigt ihn, dass er sterbe. 1. Kön 21, 8–10

Diese «Führer»des Volkes Gottes gingen sprichwörtlich über Leichen. Wenn Nabot nicht willens war, seinen Weinberg zu verkaufen, musste man ihn loswerden, umbringen. So einfach war das in den Augen Isebels und Ahabs, der ihr Tun billigte. Einen Weinberg als Gemüsegarten zu haben, hatte mehr Gewicht als das Leben eines Menschen. Wie traurig und entsetzlich!

Die Geschwister, die meinen, die Sache Gottes mit einem guten Angebot der Welt besser vorantreiben zu können, die mit der Welt zusammenspannen, weil sich so in ihren Augen gute Gelegenheiten bieten, seien damit gewarnt: Wer sich mit der Welt einlässt, aber ihr Spiel in einem Punkt nicht mitspielt, wird nur zu rasch feststellen, dass in der Welt andere Grundsätze gelten als unter Gläubigen. In der Welt trachtet jeder zuerst nach seinem eigenen Vorteil. Ist jemand im Weg, wird er «beseitigt» (in unseren Breitengraden natürlich in den seltensten Fällen durch Mord, aber dennoch).

Das treue Zeugnis Nabots war den Gottlosen umso mehr ein Dorn im Auge. Durch die Haltung Nabots wurden nicht nur die Pläne Ahabs vereitelt, sondern er wurde auch beschämt – denn es zeigte sich deutlich, dass er keinen Wert auf das Wort Gottes legte. Aus demselben Grund hasst die Welt auch den Herrn Jesus: 20 Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht blossgestellt werden Joh 3, 20. Weil der Herr Jesus vollkommenes Licht ist, wurden in Seiner Gegenwart die bösen Werke der Menschen offenbar; deshalb suchten sie Gelegenheit, Ihn so rasch als möglich «los zu werden». Nabot, der in seiner Treue ein ergreifendes Vorbild auf den Herrn Jesus ist (man denke nur beispielsweise an Mt 4, 8–10), warf damit Licht auf die bösen Absichten Ahabs, weshalb dieser nichts dagegen hatte, dass Nabot auf hinterhältige Weise ermordet wurde.

Der treue Zeuge

Wie sehr spricht das doch alles von unserem Herrn Jesus! Er kam in diese Welt, die durch Ihn selbst erschaffen worden war (Kol 1, 16. 17), nahm Knechtsgestalt an, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden Phil 2, 7, erniedrigte sich selbst und zeugte von Gott, indem Er tat, was Gott geboten hatte, indem Er allen Menschen um Ihn herum nur Gutes erwies (Apg 10, 38). In Ihm offenbarten sich das göttliche Licht und die göttliche Liebe.

In all dem zeugte der Herr Jesus von Gott, gleichzeitig aber auch gegen die Welt, denn die Werke der Welt sind böse, wie die Welt selbst und die Menschen, die in ihr leben. Indem der Herr Jesus als Mensch Gutes tat und Liebe allen Mitmenschen gegenüber erwies, beschämte Er zutiefst alle, die um Ihn herum waren – denn sie waren nicht in der Lage, auch nur annähernd so edel zu handeln wie Er. In jeglicher Hinsicht war Er allen anderen vollkommen überlegen – und doch diente Er allen. Die Menschen konnten es nicht ertragen, dass Er sie auf diese Weise blossstellte (und Er tat diese Dinge ja nicht einmal, um die Menschen blosszustellen); sie mussten Ihn so rasch als möglich loswerden. Klingt das alles unglaublich und schwer nachvollziehbar? Oder können wir alle in irgendeiner Weise verstehen und nachvollziehen, dass die Menschen um Ihn herum Seine Gegenwart nicht länger ertrugen? Wäre Er heute hier auf Erden, es würde Ihm genau gleich ergehen! Wir sind alle gleich gestrickt; wir wollen alle nicht, dass unsere Werke im göttlichen Licht offenbar werden!

Wie Nabot wegen seiner Treue verschwinden musste, musste auch der Herr Jesus verschwinden. In vollkommener Treue gegenüber Gott nahm Er auch dies auf sich: Indem er gehorsam wurde bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz Phil 2, 8. Er sagte selbst: 17 Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wiedernehme. 18 Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst Joh 10, 17. 18. 10 Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist Lk 19, 10. 16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe Joh 3, 16.

Durch Seinen Tod erfüllte der Herr Jesus das lange zuvor ersehene Werk Gottes. Er gab sich hin, um an Stelle der Menschen zu sterben, die den Tod verdient hätten, damit jeder, der an Ihn glaubt, errettet werden kann. Der Herr Jesus hat am Kreuz die Strafe für meine und deine Sünden getragen. Jeder, der zum Glauben an Ihn kommt, ist frei von aller Schuld, denn für ihn entfaltet das stellvertretende Opfer Christi volle Wirkung! Glaubst du das, lieber Leser?

Nabot konnte, da er nur ein Mensch war, mit seinem Tod nicht dasselbe vollbringen, was der Herr Jesus mit Seinem Tod vollbracht hat. Aber der Tod Nabots war nicht ohne Sinn. Der Mord an ihm machte das Mass der Schuld Ahabs und Isebels voll:

17 Da erging das Wort des Herrn an Elia, den Tisbiter, indem er sprach: 18 Mach dich auf, geh hinab, Ahab, dem König von Israel, entgegen, der in Samaria ist; siehe, er ist im Weinberg Nabots, wohin er hinabgegangen ist, um ihn in Besitz zu nehmen. 19 Und rede zu ihm und sprich: So spricht der Herr: An der Stelle, wo die Hunde das Blut Nabots geleckt haben, sollen die Hunde auch dein Blut lecken. 1. Kön 21, 17–19

Der Gräueltaten Ahabs und Isebels waren viele, aber der heimtückische Mord an Nabot setzte den Schlussstrich darunter; der Herr setzte ihrem Treiben ein Ende. Gemäss dem Wort Elias erfüllte sich alles schon bald: Ahab zog entgegen dem Wort des Propheten Micha, aber gemäss dem Wort von vierhundert anderen Propheten, die der Herr zu diesem Zweck irreführen liess, in den Krieg und wurde von einem Mann, der den Bogen aufs Geratewohl 1. Kön 22, 34 spannte, getroffen. Der Wagen, in welchem Ahab verblutet war, wusch man dort aus, wo die Huren badeten; die Hunde leckten das Blut Ahabs (1. Kön 22, 38). Wenig später starb auch Isebel – auf grauenvolle Weise (2. Kön 9, 30–37).

Lehrreiche Lektionen

Was kann man nun aus dem Leben Nabots lernen? Er führte ein stilles Leben und wird in der Bibel nur ganz kurz erwähnt; er lehnte ein verlockendes Angebot ab, weil er dem Herrn gehorsam sein wollte, und wurde dafür umgebracht. Man ist versucht zu sagen, er habe in seinem Leben nicht viel für den Herrn bewirkt. Aber das stimmt nicht!

Nabot war ein treuer Zeuge, der zwar ein frühes Ende fand, durch seinen Glauben und Gehorsam aber noch heute zu den Herzen all derer spricht, die dem Herrn wahrhaftig nachfolgen wollen. Durch seinen Tod setzte er der schrecklichen Herrschaft von Ahab und Isebel ein Ende, wie dies später der Herr Jesus – der auf genau dieselbe Art und Weise (Verleumdung und Mord) umgebracht wurde – mit der Herrschaft der Sünde und des Satans tat.

Seien wir dem Herrn also in allem gehorsam, auch wenn wir menschlich gesehen meinen, Ihm damit einen schlechteren Dienst zu erweisen als auf andere Weise! Lassen wir uns nicht täuschen, wenn unsere Handlungen keine grossen Wellen werfen, sondern vertrauen wir allein auf den Herrn, darauf, dass Er zu Ende führt, was Er sich vorgenommen hat! Mögen wir alle dem Herrn so treu nachfolgen wie Nabot! Amen.