Jesus Christus ist der Herr! Phil 2, 11

Wertschätzung

Der christliche Glaube dreht sich darum, dass der Schöpfer allen Lebens Seinen einzigen, geliebten Sohn hat Mensch werden und am Kreuz die Strafe für die Sünden der Menschen tragen lassen. Wer glaubt, dass er selbst Gottes Massstäben nicht genügt und nicht genügen kann, und Ihn um Vergebung bittet, empfängt gewissermassen eine vollumfängliche Begnadigung. Gott rechnet ihm seine Verfehlungen nicht an, sondern sieht sie als durch das stellvertretende Opfer Seines Sohnes getilgt an. Jeder Christ, also jeder Mensch, der in diesem Sinne glaubt, ist Gott also in allererster Linie zu riesigem Dank verpflichtet. Das ist eine ganz grundlegende Haltung, die jeden Christen auszeichnen sollte. Dennoch können vor allem die Sorgen des Alltags dazu führen, dass diese Erkenntnis und damit auch die Dankbarkeit gegenüber dem Himmlischen Vater in den Hintergrund treten. Wir leben dann nicht in einer Haltung der Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber dem, was Gott für uns getan hat, selbst wenn wir natürlich auf eine entsprechende Frage weiterhin antworten werden, wie sehr wir Ihm zu Dank verpflichtet sind. Mit anderen Worten sind Dankbarkeit und Wertschätzung dann nicht zwei Züge, die unser Denken, Sprechen und Handeln wesentlich beeinflussen. Sie schwingen irgendwie noch so mit, aber haben keinen entscheidenden Stellenwert. Das ist gefährlich. Wir neigen dann nämlich auch dazu, Anstrengungen in der Nachfolge als mühsame Last zu betrachten, die wir lieber nicht auf uns nehmen wollen. Ein teilweiser Verlust der Wertschätzung kann uns also auch im Dienst ein Stück weit lähmen. Umso wichtiger ist es, von Zeit zu Zeit an das erinnert zu werden, was Gott für uns getan hat, wie sehr Er uns liebt, wie viel Er uns geben will. Wer aufmerksam in der Bibel liest, wird auf jeder Seite Grund für Lob finden. Auf so viele unterschiedliche Arten wird uns vorgestellt, wie herrlich unser Himmlischer Vater und Sein geliebter Sohn sind, wie gross die Liebe zu den Menschen ist, wie viel uns unverdientermassen gegeben wird. Hier wollen wir nun eine Stelle etwas näher beleuchten.

18 Denn ihr seid nicht gekommen zu dem Berg, der betastet werden konnte, und zu dem entzündeten Feuer und dem Dunkel und der Finsternis und dem Sturm 19 und dem Posaunenschall und der Stimme der Worte, deren Hörer baten, dass das Wort nicht mehr an sie gerichtet würde 20 (denn sie konnten nicht ertragen, was angeordnet wurde: ‹Und wenn ein Tier den Berg berührt, soll es gesteinigt werden.› 21 Und so furchtbar war die Erscheinung, dass Mose sagte: ‹Ich bin voll Furcht und Zittern.›), 22 sondern ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, der allgemeinen Versammlung; 23 und zu der Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten; 24 und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als Abel. Hebr 12, 18–24

In dieser Stelle wird uns ein grosser Gegensatz vorgestellt: Einmal wird aufgezeigt, wie sich Gott den Israeliten offenbart hat, und einmal wird vorgestellt, was das Teil der Christen ist. Hier ist nicht die Rede von Sündern, die auf ewig verloren gehen, und Heiligen, die in die ewige Gegenwart Gottes eintreten dürfen. Es ist auch nicht die Rede davon, wie der Herr auf der einen Seite mit den treuen Knechten und auf der anderen Seite mit den untreuen Knechten handeln wird. Nein, die Rede ist davon, wie Er sich einmal Seinem irdischen Volk gezeigt hat und in welcher Beziehung alle «Bürger» des himmlischen Volkes zu Ihm stehen. Die Situationen bergen also nicht bereits in sich selbst einen Gegensatz, sondern entsprechen sich eigentlich grundsätzlich. Beide Male geht es darum, wie die Beziehung zwischen Gott und Seinem Volk ist. Umso mehr muss uns ins Staunen versetzen, wie gross der Gegensatz zwischen diesen beiden Situationen ist.

Israel hat sich der Herr in einer schrecklichen, angsteinflössenden Weise offenbart. Er hat Sein Volk zu einem Berg, dem Berg Horeb, kommen lassen, dem Volk aber geboten, dem Berg ja nicht zu nahe zu kommen. Selbst Tiere, die sich dem Berg genähert hätten, wären auf der Stelle gestorben! Dann hat Er den Berg in Feuer, Finsternis und Sturm gehüllt. Die Erscheinung muss so furchtbar gewesen sein, dass sogar Mose, einer der ganz wenigen Freunde Gottes (vgl. 2. Mose 33, 11), voller Furcht und Zittern gewesen ist. Das Volk konnte die Erscheinung überhaupt nicht ertragen. Sie baten Mose, ihnen die Worte Gottes zu überbringen, um nicht direkt die Stimme Gottes hören zu müssen. Weshalb ist das so gewesen? Israel befand sich einerseits in einem Zustand, der jede innige Form der Gemeinschaft mit dem Herrn ausschloss. Die Israeliten waren nämlich Sünder, wie es alle Menschen von Geburt her sind. Sie trugen die Wurzel des Ungehorsams gegen Gott, des Eigenwillens und der Bosheit in sich, wie es bei allen Menschen der Fall ist. Das Zeugnis des Herrn Jesus über das Herz der Menschen war zum Beispiel ganz klar: 21 Denn von innen aus dem Herzen der Menschen gehen hervor die schlechten Gedanken: Hurerei, Dieberei, Mord, 22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, List, Ausschweifung, böses Auge, Lästerung, Hochmut, Torheit; 23 alle diese bösen Dinge gehen von innen aus und verunreinigen den Menschen Mk 7, 21–23. Haben Sie schon einmal kleine Kinder über eine längere Zeit genau beobachtet? Das sind keine «reine», «heilige» Wesen. Sie sind egoistisch, bisweilen richtiggehend rücksichtslos und teilweise gemein bis bösartig. Die Vorstellung, alles Böse sei bloss anerzogen, ist weltfremd und widerspricht auch der klaren Aussage des Herrn Jesus. Wenn Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit der Massstab ist, kann kein Mensch vor Ihm bestehen. Dann gibt es keine Möglichkeit für innige Gemeinschaft, sondern bloss Gericht und Strafe. Anders kann es nicht sein, denn sonst würde Gottes Heiligkeit kompromittiert. Auch die Israeliten befanden sich in diesem Zustand. Deshalb konnte sich Gott ihnen nicht einfach so zeigen und sie in Seine Nähe kommen lassen. Andererseits befanden sich die Israeliten aber auch in einem schrecklichen Irrtum über ihren Zustand. Gott hatte sie durch Seine Gnade auf Adlersflügeln aus Ägypten befreit und bis an den Berg Horeb gebracht. Sie waren voll und ganz auf Seine Gnade angewiesen, das heisst darauf, dass Er nicht nach ihrer Gerechtigkeit (Ungerechtigkeit) mit ihnen handelte, sondern unabhängig davon. Was aber sagten sie bei der ersten Gelegenheit zu sprechen, die sie hatten? Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun! 2. Mose 19, 8. Welche Anmassung! Als ob sie dazu in der Lage gewesen wären! Liebe Leser, glauben Sie, Sie könnten auch nur einen Tag lang voll und ganz nach dem Willen Gottes leben? Machen Sie den Test! Sie werden versagen und hinter dem zurückbleiben, was gefordert ist. Israel hatte also eine Korrektur notwendig, wie Sie vielleicht auch eine Korrektur notwendig haben. Der Herr musste ihnen zeigen, was es bedeutet, auf dem Grundsatz eigener Gerechtigkeit mit Ihm verkehren zu wollen. Wer meint, er könne sich dann schon vor dem Herrn verantworten, wird etwas ähnliches erleben müssen – Donner, Finsternis, Rauch, Feuer, Blitze, Furcht und Zittern. Es ist immer schrecklich und furchtbar, wenn ein Mensch vor Gott erscheinen muss!

Wenn aber ein Mensch vor Gott kapituliert und seine Unzulänglichkeit eingesehen und bekannt hat, sieht eine Begegnung mit Gott ganz anders aus. Möglich macht dies das herrliche Werk des Herrn Jesus, der die Schuld aller getragen und gesühnt hat, die zu Gott umkehren wollen. Wer auf der Grundlage des Werkes des Herrn Jesus vor Gott tritt, der kommt zum Berg Zion (nicht Horeb, nicht Gesetz, sondern Wohnsitz Gottes), zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem, zu Myriaden von Engeln, zur allgemeinen Versammlung aller Gläubigen, zu Gott, zu den Geistern der vollendeten Gerechten, zu Jesu, dem Mittler eines neuen Bundes und zum Blut der Besprengung, das besser redet als Abel. Wie herrlich ist doch diese Tatsache! Und wieviel strahlender stellt sie sich im Gegensatz zur Szene am Berg Horeb dar! Das Blut Abels ist das Blut eines unschuldig Ermordeten, das nach Rache schreit; das Blut Jesu ist auch das Blut eines unschuldig Ermordeten, das aber nicht nach Rache schreit, sondern Vergebung und Erlösung anbietet, für jeden, der damit besprengt wird. Das dürfen wir für uns in Anspruch nehmen! O, herrliche Tatsache! Dann sind wir auch in die völlige, innige Gemeinschaft mit allen Gläubigen und Gott selbst gekommen, haben Eintritt zu Seinem persönlichen Wohnsitz erhalten. Statt Donner, Blitz, Feuer, Rauch und Todesdrohung erwarten uns innige Gemeinschaft, ewige Sicherheit und ein himmlisches Erbe. Welch Gegensatz! Welch Wunder! Zu einem Christen sagt Gott gerade nicht: «Wehe, wenn du dies oder das tust!», wie die Menschen oft meinen. Nein, es heisst vielmehr: «Jetzt ist alles in Ordnung, komm zu mir!» 32 Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Röm 8, 32. Ach, es ist schwer, die richtigen Worte dafür zu finden, was uns durch den Herrn Jesus Christus alles zuteil geworden ist! Ich hoffe, dass diese wenigen, schwachen Worte dennoch wenigstens bei einigen Lesern zu mehr Wertschätzung für das Werk des Herrn Jesus führen.